Kita & Schule – beste Chancen für jedes Kind

Alle Kinder und Jugendlichen verdienen die besten Chancen beim Start in das Leben. Unser Ziel bleibt eine Bildungslandschaft, die ausreichend Schulplätze, moderne und zeitgemäße Schulen, qualifizierte Fachkräfte sowie Unterrichtsinhalte bietet, die den Anforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht werden. Schulen verstehen wir als Lern- und Lebensorte, die jedes Kind bestmöglich fördern und fordern.
In den vergangenen drei Jahren wurden im Bezirk erhebliche Fortschritte beim Schulbau erreicht. Über 8.200 neue Schulplätze konnten geschaffen werden, davon rund 4.200 im Grundschulbereich, etwa 3.000 an weiterführenden Schulen, über 800 an Gymnasien sowie zusätzliche Plätze an Förderschulen. Trotz dieser Erfolge zeigt sich ein differenziertes Bild: Während rechnerisch ausreichend Plätze vorhanden sind, bestehen weiterhin Überbelegungen insbesondere in den Grundschulen mit Klassenstärken von häufig über 26 Schülerinnen und Schülern. In der Sekundarstufe I besteht aktuell ein leichter Überhang an Plätzen, während einzelne Gymnasien wie das Otto-Nagel-Gymnasium, das Siemens-Gymnasium oder das Melanchthon-Gymnasium weiterhin stark nachgefragt sind. Unser Anspruch bleibt deshalb klar: Alle Schülerinnen und Schüler sollen im eigenen Bezirk versorgt werden können, wohnortnah und in der gewünschten Schulform.
Marzahn-Hellersdorf ist ein wachsender Bezirk, der zugleich einen Querschnitt der gesellschaftlichen Realität abbildet. Diese Vielfalt erfordert keine einheitlichen Lösungen, sondern passgenaue Angebote. Unser Ziel ist es, nicht das eine richtige System zu finden, sondern für jedes Kind den richtigen Bildungsweg zu ermöglichen. Dazu gehört ein breites und differenziertes Angebot: von frühkindlicher Bildung über Grundschulen als erste Gemeinschaft und Gemeinschaftsschulen für längeres gemeinsames Lernen mit der Option auf das Abitur bis hin zu integrierten Sekundarschulen mit starker Berufsorientierung, Oberstufenzentren für den Übergang in Ausbildung und Beruf, Kollegs für den zweiten Bildungsweg, Gymnasien, Angeboten für besondere Begabungen ab Klasse 5 und Förderschulen für spezifische Bedarfe.
Unsere Schulentwicklungsplanung muss flexibel und vorausschauend bleiben. Grundstücke für den Schulbau, wie etwa das in der Otto-Rosenberg-Straße, werden langfristig vorgehalten, ohne dass wir uns frühzeitig auf einzelne Schulformen festlegen. Bis 2030 werden vor allem zusätzliche Grundschulplätze benötigt, perspektivisch wird sich der Bedarf jedoch stärker auf weiterführende Schulen verlagern. Unser Ziel bleibt die vollständige Versorgung aller Schülerinnen und Schüler im eigenen Bezirk.
Ein zentrales Element unserer Bildungspolitik ist die Stärkung multiprofessioneller Teams. Neben Lehrkräften sind an allen Schulen Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und weitere pädagogische Fachkräfte erforderlich und zwar zusätzlich zu einer vollständigen Lehrkräfteausstattung. Zwar konnten in den vergangenen Jahren Fortschritte beim Abbau des Lehrkräftemangels erzielt werden, dennoch zeigt sich im Bezirk weiterhin eine erhebliche Spreizung der Personalausstattung zwischen einzelnen Schulen von über 130 Prozent bis unter 75 Prozent. Deshalb müssen Schulen stärker in die Lage versetzt werden, eigenverantwortlich Personal zu gewinnen und einzustellen. Gleichzeitig setzen wir auf gezielte Maßnahmen zur Gewinnung von Lehrkräften für den Bezirk, etwa durch duale Studiengänge in Kooperation mit Hochschulen. Die psychische Gesundheit unserer Schülerinnen und Schüler hat für uns höchste Priorität. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass jede Schule Zugang zu schulpsychologischer Unterstützung erhält und entsprechende Programme weiter ausgebaut werden.
Der Ausbau multiprofessioneller Strukturen hat bereits begonnen: Lehrkräfte-Stellen wurden anteilig in andere Professionen umgewandelt. Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen. Programme wie die Startchancenschulen wollen wir aktiv begleiten und ihre Vernetzung im Bezirk fördern.
Schulen entwickeln sich zunehmend zu multifunktionalen Orten im Kiez. Sie sind nicht nur Lernorte, sondern auch Räume für Begegnung, Kultur und Weiterbildung. Erste erfolgreiche Modelle der Mehrfachnutzung, wie etwa an der Grundschule an der Elsenstraße oder durch kulturelle Nutzungen wie Chorgemeinschaften, wollen wir auf den gesamten Bezirk ausweiten. Unser Ziel ist es, Schulen stärker als offene Orte im Quartier zu etablieren und sie im Sinne von Kiezschulen weiterzuentwickeln.
Außerschulische Lernorte gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Mit dem HELLEUM I und II verfügt der Bezirk über ein besonderes Angebot, das naturwissenschaftliches Lernen auf innovative Weise erlebbar macht und ein echtes Alleinstellungsmerkmal darstellt. Bildung wird nicht allein im Unterricht vermittelt, sondern auch durch praktische Erfahrungen, eigenes Erleben und außerschulische Lernorte geprägt.
Für die kommenden Jahre setzen wir klare Schwerpunkte: Der Ausbau des Ganztagsbetriebs muss qualitativ weiterentwickelt werden. Unser Ziel ist eine bessere Verzahnung von Lernen, Bewegung, Kultur und sozialem Miteinander. Gleichzeitig stehen umfangreiche Schulsanierungen an. Der Erhalt bestehender Schulplätze und die qualitative Verbesserung im Bestand sind zentrale Aufgaben der nächsten Jahre. Dafür sind effizientere Verfahren, standardisierte Lösungen und eine stärkere Unterstützung der Bauverwaltung nötig.
Auch die Qualität des Schulalltags muss weiter gestärkt werden. Die bereits eingeleiteten Schritte zur Professionalisierung der Schulreinigung, wie etwa die Einführung digitaler Meldesysteme und eines Ticketsystems zur schnellen Behebung von Mängeln sowie die fachliche Steuerung durch Reinigungsmanager, wollen wir weiter ausbauen. Beim Schulessen setzen wir uns für neue Wege ein, die hohe Qualitätsstandards sichern und die Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern erhöhen. Dazu gehört auch die Offenheit für ergänzende Modelle, die mehr Flexibilität ermöglichen und die Qualität des Angebots verbessern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Schulwegsicherheit. Kinder sollen ihre Schule sicher erreichen können. Verbesserte Querungsmöglichkeiten und Maßnahmen zur Reduzierung des Bringverkehrs durch Elterntaxis sind dafür wichtige Bausteine.
Die enge Vernetzung mit dem gesellschaftlichen Umfeld bleibt ein zentraler Baustein. Sportvereine, soziale Träger und ehrenamtliche Organisationen leisten einen wichtigen Beitrag für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Wir wollen die Zusammenarbeit mit Schulen weiter stärken, den Zugang zu Sportangeboten verbessern und die Nutzung von Sporthallen transparenter gestalten. Auch die Einbindung von Organisationen wie dem Technischen Hilfswerk (THW), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder der Feuerwehr in den Schulalltag wollen wir ausbauen.
Kindertagesstätten
Eine gute frühkindliche Bildung ist die Grundlage für eine erfolgreiche Bildungsbiografie. Unser Ziel ist es, jedes Kind der Vorschule frühzeitig zu erreichen und bestmöglich zu fördern. Mit einem Kita-Chancenjahr und ergänzenden Angeboten, wie einem Willkommensgutschein, wollen wir sicherstellen, dass möglichst alle Kinder vor der Einschulung eine Kita besuchen.
Die Voraussetzungen dafür sind kleinere Gruppen, gut ausgebildetes Personal und eine konsequente Förderung zentraler Kompetenzen, insbesondere der Sprachentwicklung. Durch die Verbesserung des Personalschlüssels werden die Gruppen weiter verkleinert und die individuelle Förderung gestärkt. Programme zur Qualitätsentwicklung, insbesondere im Rahmen bundesweiter Initiativen, wollen wir konsequent nutzen, um die frühkindliche Bildung weiter zu verbessern.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Übergang von der Kita in die Grundschule. Dieser soll verbindlicher und strukturierter gestaltet werden. Vorschulkinder sollen ihre zukünftige Schule und ihren Schulweg frühzeitig kennenlernen. Gleichzeitig wollen wir die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen systematisch stärken.
Mit Blick auf die demografische Entwicklung wollen wir die soziale Infrastruktur im Bezirk flexibel weiterentwickeln. Einrichtungen müssen auf veränderte Bedarfe reagieren können, beispielsweise durch die Umnutzung zu Jugendfreizeiteinrichtungen, Familienzentren oder Begegnungsorten. Der Erhalt und Ausbau von Familienzentren und Angeboten der Erziehungs- und Familienberatung bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil.
Grundschulen
Die Grundschule ist für Kinder ein wichtiger Lern- und Lebensort, an dem grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt und damit die Basis für den weiteren Bildungsweg gelegt werden.
Besondere Bedeutung kommt dabei der frühzeitigen Förderung zu. Unterstützungsbedarfe müssen früh erkannt und gezielt aufgegriffen werden. Gleichzeitig wollen wir die Grundschulen stärker als Orte ganzheitlichen Lernens weiterentwickeln.
Dazu gehört auch der Ausbau außerschulischer Lernorte. So sollen Gartenarbeitsschulen weiterentwickelt und an mehreren Standorten im Bezirk etabliert werden. Erste Schritte sind bereits erfolgt, weitere Maßnahmen, etwa die Verbesserung der Infrastruktur, müssen folgen. Auch die Verkehrsschule wollen wir weiter stärken und so ausstatten, damit jedes Kind im Bezirk sicher Fahrrad fahren lernt und die Fahrradprüfung erfolgreich ablegen kann.
Weiterführende Schulen
Marzahn-Hellersdorf verfügt über ein vielfältiges Angebot an integrierten Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Dieses Angebot wollen wir erhalten und weiterentwickeln. Gemeinschaftsschulen ermöglichen längeres gemeinsames Lernen und eröffnen zusätzliche Bildungswege bis hin zum Abitur.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Berufsorientierung. Die Schülerinnen und Schüler sollen frühzeitig ihre Stärken erkennen und praktische Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten. Erfolgreiche Modelle wie die „Talent-Company” an der Johann-Julius-Hecker-Schule oder Kooperationen mit Trägern wie „Schlaufuchs” zeigen, wie praxisnahe Berufsorientierung gelingen kann. Diese Ansätze wollen wir weiter ausbauen und im gesamten Bezirk verankern.
Unser Anspruch ist, dass jede Schülerin und jeder Schüler die Schule mit einem Abschluss verlässt. Dafür sind ausreichende personelle, räumliche und finanzielle Ressourcen sowie starke Partner im Kiez notwendig. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen, liegt in Marzahn-Hellersdorf bei 13,8 Prozent. Diese Quote wollen wir durch gezielte schulische und außerschulische Unterstützungsangebote deutlich senken.
Dem Lehrkräftemangel in unserem Bezirk begegnen wir mit neuen Formen der zentralen Steuerung, insbesondere bei der Gewinnung und Verteilung von Referendarinnen und Referendaren. Durch eine gezielte Nachwuchsförderung wollen wir mehr grundständig qualifizierte Lehrkräfte für unterversorgte Schulstandorte gewinnen.
Gleichzeitig stärken wir die personelle Ausstattung im sonderpädagogischen Bereich. Dazu setzen wir uns dafür ein, mehr Studierende im Praxissemester sowie im Flex-Master gezielt an entsprechende Schulstandorte zu bringen. So schaffen wir frühzeitig Bindungen an den Bezirk und stärken die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf.
Ein wichtiger Baustein ist dabei der Übergang in die berufliche Bildung. Wir setzen uns dafür ein, im Bezirk eine eigene Ankerschule für die Berufsvorbereitung im Rahmen des 11. Pflichtschuljahres zu etablieren, damit Jugendliche ihre Perspektiven vor Ort entwickeln können.
Schulbau und Infrastruktur
Mit dem Bildungscampus am Auerbacher Ring entsteht ein zentrales Projekt für die Bildungslandschaft im Bezirk. Der Baustart ist erfolgt. Geplant ist eine Gemeinschaftsschule mit einem Grundschulteil und einem weiterführenden Bereich, der perspektivisch flexibel weiterentwickelt werden kann. Die Fertigstellung ist schrittweise bis zum Schuljahr 2028/29 vorgesehen.
Darüber hinaus konnten in den vergangenen Jahren weitere wichtige Schulbauprojekte umgesetzt werden, darunter neue Standorte für integrierte Sekundarschulen. Diese Entwicklung zeigt, dass der Bezirk auf einem guten Weg ist, gleichzeitig bleibt der Bedarf hoch.
Bildung im Kiez und soziale Infrastruktur
Marzahn-Hellersdorf ist ein Bezirk mit großen sozialen Unterschieden. Diese spiegeln sich auch in Bildungsbiografien wider. Deshalb ist es umso wichtiger, Bildung, soziale Infrastruktur und Stadtentwicklung gemeinsam zu betrachten.
Wir brauchen mehr öffentliche Räume für Jugendliche und Familien sowie den Erhalt und Ausbau bestehender Angebote. Bildung, Begegnung und Teilhabe müssen im Kiez stattfinden können.
Dazu gehört auch eine stärkere Vernetzung von Schulen mit Sportvereinen, sozialen Trägern und ehrenamtlichen Strukturen. Bildung endet nicht am Schultor. Sie entsteht auch durch Bewegung, Begegnung, praktische Erfahrungen und gemeinsames Lernen im Alltag. Deshalb wollen wir die Angebote in den Bereichen Sport und Bewegung stärken.
Ein wichtiger Baustein dafür ist das geplante Kombibad am Jelena-Šantić-Friedenspark. Mit seiner zügigen Umsetzung schaffen wir zusätzliche wohnortnahe Möglichkeiten für Schulschwimmen, Vereinssport, Ferienangebote und generationenübergreifende Freizeitgestaltung. So verbessern wir die Voraussetzungen dafür, dass jedes Kind im Bezirk schwimmen lernen kann, stärken außerschulische Bildungs- und Bewegungsangebote und schaffen einen lebendigen Lern- und Begegnungsort im Kiez.
Digitalisierung und Bildung der Zukunft
Wir wollen Marzahn-Hellersdorf zu einem innovativen Bildungsstandort weiterentwickeln. Der vom Bund maßgeblich finanzierte Digitalpakt 2.0 schafft hierfür die notwendige Grundlage. Die bereitgestellten Investitionsmittel müssen wir konsequent nutzen, um einen klaren Dreiklang umzusetzen: die Sicherung und den Ausbau der digitalen Infrastruktur, den Auf- und Ausbau digitaler Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie die Ermöglichung digitalen Lehrens und Lernens durch eine zeitgemäße Ausstattung und die Qualifizierung des pädagogischen Personals. So stellen wir sicher, dass Schulen und Unterricht im Bezirk auf der Höhe der Zeit sind.
Digitale Bildung ist für uns kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Schulen müssen in die Lage versetzt werden, moderne Technologien sinnvoll einzusetzen und Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten.
Foto: CDU / Markus Schwarze